Alpen bis Lombardei

Liechtenstein – Bernina – Idrosee – Monza – Comer See – Tessin – Wallis

September 1998

Motorradtour V – kurzfristig ohne Zugbegleiter – leider ausgebucht :-
Also Handgas ohne Ende inklusive Dauerberieselung bis Lindau am Bodensee zum nervig-nassen Ufer-Camping – nur für Pfahlbauten prädestiniert. Leichtmatrosen lieben Leuchtturm und Löwe, die beiden Hafen-Hingucker von 1856. Ich flüchtete via B°regen°z (A) vor dem feuchten Firmament und suchte lieber lichte Stellen in Liechtenstein (FL). Fürstliche 160 km² fein und gut überschaubar vom Schloss Vaduz.

Richtung Da vos (CH) schön ist, ging’s beflügelt über den Flüelapass (2.383 m) zum Zeltplatz Zernez. Bei der textilen Trocknung geradezu nahe liegend war der Ofenpass (2.149 m). Damit noch lange nicht (hoch) genug – der biker-belastete Umbrailpass (2.503 m) grenzt (I) an den Stilfser Stau. Ergo nix wie abGezweigt ins ›Innere‹ des Valdidentro zu feuchten Träumen. Nasskalt und mit Grasnarben-Narben durch Häuslebauer zeigte sich die gefüllte Zollfreizone Livigno nach Passo di Foscagno (2.291 m) und Passo d’Eira (2.209 m).

Somit sofort südpolar weitergerollt – als Tank-Tourist randvoll mit »senza piombo« – über die Forcula di Livigno (2.315 m) (CH) zum Passo del Bernina (2.330 m). Im Basislager bei Morte­ratsch gab’s noch etwas Warmes in die Kaldaunen und ab in die warmen Daunen auf immerhin 1.850 m üNN. Dafür sonnige Sicht Zeltblick bei Morteratsch am frühen Morgen, zugleich Startpfiff zur angepriesenen Murmeltier-Meute im ›Heu‹ des Val da Fain. Einige Bepelzte bestaunten tatsächlich meinen *ächz* Marsch zum Piz Languard (3.262 m) mit glazialem Bellavista vom Besten!

Nach verdienter Verschnaufpause auf der tiefer gelegten Hütte ging’s hurtig auf der Hauptroute mit Sessellift ab ins mondäne Pontresina. Die Schweizer Uhr im müden Nacken, wurde gerade noch die beliebte Bimmelbahn Bernina Express zurück auf Los erwischt. Auch am Folgetag parkte die japanische Bergziege am Bahnhof: Für ein paar Franken mehr zog die Diavolezza-Seilbahn den Bergfex ins »bianco« Piz-Paradies mit frostigen Zungen von Palü und Morteratsch. Etliche Felsstufen höher – morgens noch ohne Andrang – thronte der Munt Pers (3.207 m) Munt Pers (3.207 m).

Gleisgucker und Südsehleute bevölkerten mit Recht die Alp Grüm – der lange Rückweg am Lago Bianco erfolgte dagegen im Leerlauf. Orts- und Wetterwechsel: Die Tages-Tal-Traverse von Tirano (I) zum nüchternen Passo dell’Aprica (1.176 m) endete im nassen Zelt. Fluchend wegen der Flüssigkeit vom Firmament ging’s von Édolo zu den Felszeichnungen bei Capo di Ponte, wo die »Camuni« schon vor 6.000 Jahren multipel meisselten. Dann auf zum weinerlichem Himmel am Passo di Croce Dómini (1.892 m), die Südrampe war nur für Gummistiefel erlaubt.

Also alternativ abwärts à la Alm-Abtrieb – durchs Caffarotal zum Idrosee, genauer nach Vantone mit langer Leine für klamme Wäscheklammern. Cappuccino-gestärkt und Madonna-be­schützt begann der Sonntag ab Anfo steil mit dem Passo della Spina (1.521 m) inklusive viel RückGrat und Reifenrisiko inmitten felsiger Wander(er)herrlichkeit. Dazu finaler Schneefall! Die Flockenflucht erfolgte via Giogo del Maniva (1.664 m) zur Rück-Ronda nach Idro. Tag »due« begann dann ohne Eselsmütze durchs Val di Daone zum Malga-Bissina-Stausee.

Ohne Schneeschuhe an den Hufen leider keine Uferpromenade, ergo ›Futtern wie bei Muttern‹ (hier jagt der Chef) im ›Auftau‹-Tal am Malga-Boazzo-See. Als Abend(b)rot-Abenteuer (ent)­wickelte sich ein Betonband nach Bondone – hoch, höher, Rasenkante. Fulminanter Fernblick und im Westen was Neues. Somit Weiherwechsel und ab zum Lago d’Iseo – die schwitzige Corniche mündete hinter Sárnico hitzig an der [A4] nach Monza. Rasend schnell kam spontan auch das Autodromo ins Visier – heute aber »chiuso« wg. Formel-1-Resten vom Wochenende.

Bei Lecco lag das Camping-Kleinod mit Badeverbot am Lago di Annone, mit [36]-Anschluss »diretissima« zurück zu den Ferraristi: Senioren, vom Sohn ins feuerrote Spielmobil gehievt. Tipp für standfeste Seismologen: Oberdeck der Ponte di Ferro bei Paderno d’Adda – der Zug kommt, die Brücke hält. In Sotto il Monte Giovanni XXIII fühlten sich nur Papst-Pilger pudelwohl. Ketzerisch preise ich daher eine Wallfahrt zum Passo di San Marco auf himmlische 1.992 Meter bis zur tauf-tauglichen PKW-Prozession am Lago di Como.

Gepflegter Fährverkehr führte von Bellágio nach Menággio und weiter zu den oberen Zehntausend mit Nummernkonto ›drüben‹ (CH). Eher solarer als sozialer Brennpunkt: Seilbahn zum Monte Brè (933 m) mit ultimativem UV-Blick auf Lugano. Klumpen von Kleinsparern auf der [2] mit Null % Mautgebühr verursachten Thrombose-Symptome der Verkehrsadern durch Bellinzona – somit keine Visite der Kultursteine (vgl. 2011). Ganze Bypass-Stränge sowie dunkle Wolken zogen sich zum Gotthard hoch. Am Nufenenpass (2.478 m) fast schon Kältekoma…

…und Gefahr von nekroten Fotofingern. Als Nicht-Pinguin wurde der windige Basislager-Plan unten in Ulrichen aufgegeben und erneut der ›hochspannende‹ Campus in Brig angesteuert. Sonnenbebrillt aufgerödelt bedurfte es in Mörel beim Liftmenü einer feinen Zunge. Als Hors d’oeuvre wählte ich Moosfluh (2.335 m), als Beilage eine Prise Japaner. Entgegen böser Zungen schmolz ich bei Anblick des Aletschgletschers dahin – deliziöse 24 km lang. Nach leichtem Hauptgang durch den Aletschwald gab’s an der Riederfurka noch schwere Kost.

Nach tiefem Schlaf im Tal wieder hohe Begegnung am Berg: Gut besucht war der Grimselpass (2.165 m), leider mit Eulen und Murmel in Haft hinter Mauern. Ein fulminanter Fluchtweg führte unbehelligt hell zum Oberaargletscher mit Seepause (gratis) und Hüttenjause (nicht gratis). Zurück im Hauptstromtal verirrten sich nur wenige in der klammen Aareschlucht. Die ›Groß(artig)e Enge‹ lassen wir gerade nochmal durch gehen. Vom Brünigpass (1.007 m) konnte man auf gekrümmten Gefälle gefällig auf Lungerer See und Sarner See seh'n.

Ein Großteil der Camper in Grossteil kam aus dem Großraum Luzern. Selbiger Dunstkreis wurde vorerst (vgl. 2011) großräumig umfahren: Am Glaubenbüelenpass (1.611 m) war im Großen und Ganzen noch Sonntagswetter, aber schon hinter Entlebuch schwante mir Böses. Die beflaggte Altstadt von Sempach war von Besuchern geflutet, daher wurden die Schwimmfüße in Beromünster atypisch am Brunnen(!) getrocknet. Eine muntere Menschenmeute verhinderte den Marsch vom XXL-Parkplatz hinein ins malerische Wasserschloss am Hallwiler See.

Dafür konnte man sich ohne Lenzpumpe im Schloss Lenzburg im Rittersaal einen ruhigen Lenz machen. Der Aare in Fließrichtung bis zum Rhein folgend, grenzte (D) die Stippvisite zur Donauquelle und zum Schloss Donaueschingen schon fast an Wassersucht. Fürstlich fürstenbergisch wurde daher flugs die Reise-Welle auf der [A81] angedümpelt, um wenigstens die letzte Zeltnacht am Breitenauer See bei Heilbronn in halbwegs trockene(n) Tücher(n) zu (ver)bringen. Das waren 3.401 km, passend dazu – nicht schon wieder! – ein glimpflich gerissenes Kettenschloss Kettenschloss – gerissen