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La Rioja – Picos de Europa – Ajentejo – Doñana – Almería – Cevennen

Mai 2002

Start Mittwoch, 01.05.2002 – schon wieder ›midde Bahn› von Hamburg-Altona nach Narbonne (F).
Diesmal im Gepäcknetz: Eine frisch eingefahrene Honda XL650V. Der Beiname ›Transalp‹ hätte zu denken geben müssen, wie das »Grand Maleur« in den nicht-alpinen Pyrenäen zeigte. Denn die bewährte Traverse nach Westen via Carcassone (vgl. 1999) mit seinen Disney-kopierten Türmen war zeitweise doch recht humid. Auf der vergeblichen Suche nach dem Fort de César bei Pau führten limitierte Haftkraft der Reifen und mangelnde Konzentration am Abend zu einem kapitalen Ausrutscher. Fortune gehabt – ein schmaler, tiefer Straßengraben hatte die ›Energie‹ in nassen Grassoden absorbiert und nette Ausflügler halfen dem Stahlmuli wieder auf die Füße. Das Stunt-Fahrzeug zeigte sich jetzt bockig – kein Einlassen aufs Anlassen…

Konstruktiv war wohl keine ›Upside-Down‹-Fahrtechnik einkalkuliert, erkennbar an der Benzinsuppe im Luftfilter. Eine nahe Dorfwerkstatt hatte zumindest ein Telefon für den Abschlepper. War auch kein Nepper, ganz im Gegenteil. Mehrere Hondaianer legten die inkontinente Transalp in Pau wieder trocken – gegen relativ wenige Münzen und kurz vor 1800 Uhr. Dazu eine Eskorte in ein, vom »Cascadeur« auserkohrenes Plastikhotel zur Schleuder-Reha. Anfangs noch mit Reste-Rauchwolke erfolgte die Auffahrt zum Col du Pourtalet (1.794 m) (E).

Eine nivale ›Twilight Zone‹ wurde erklommen, gottlob keine Schneedecke runter ins Valle de Tena, aber der steile Abstecher hoch zum Balneario (neudeutsch ›Ballermann‹) de Panticosa ohne Chance auf trockene Tücher. Kalorisch günstiger war jedenfalls der Übernachtungsplatz Huesca. Vorsorglich wurde das ›Reifenpanne-Gefühl‹ bei den extremen Seitenwinden überprüft – ein netter Motorrad-Cop mimte den Werkstatt-Lotsen durch die nicht gerade übersichtliche Einbahnstruktur. Die sturzerprobte Lenksymetrie war aber o.k. Beim anschließenden Ritt durch die mondmäße Sierra de Luna mußte die langbeinige Ross-Reiter-Kombination eben etwas härter an den Wind gehen. Ahoi!

Nach der ungastlichen Erosions-Landschaft auf zum Storchen-Mekka nach Alfaro, wobei einige Exemplare akustisch recht ungünstig direkt im Glockenturm von San Miguel nisteten. Westlich davon hatten Dinosaurier einen bleibenden Eindruck hinterlassen, z.B. die »huellas« Dinosaurier-Tapsen bei Munilla. Nach einer Nacht in Soria zuerst der Tiefkühl-Matschmarsch zur Laguna Negra de Neila, dann die Expedition zum einsamen Puerto de la Demanda (1.955 m). Der mutig allein angefahrene Bergpfad endete knapp vor der Passhöhe nass liegend (schon wieder ;-) im Schnee.

No Way im Mai – also im aufkommenden Schneesturm zurück und ›am Ende‹ ins nächste warme Zimmer. Tagsdarauf Schluchtentest: Desfiladero de Pancorbo – na ja. Auch die frostig-frustige Fahrt zum Ebro-Stausee war wahrlich kein ›Quell‹ der Freude. Verdammt kurz blitzte die Sonne in den kolossalen Picos de Europa auf und wurde sofort zum felsigen Fußmarsch durch den Desfiladero del Cares genutzt. Selbst der Küstenabstecher bei Llanes endete im Dauerregen, zudem war die graffiti-verzierte Cueva del Pindal offensichtlich geschlossen.

Sowohl das hoch-heilige Santuario de Covadonga als auch der Lago de la Ercina – ein tropfnasses Trauerspiel. Den winterlichen Rest gab mir der Puerto de Ventana (1.587 m) südlich vom wuseligen Oviedo. Vom Gipfel Peña Ubiña keine Spur, immerhin ein beheiztes Zimmer vor der Etappe León – Ponferrada. Der Camino de Santiago führte ab Astorga zum Zenit am Cruz de Ferro (1.500 m) mit haufenweise steinigen Mitbringseln. Uneinsichtige Jakobs-Jünger kamen hier am nebulösen Fahrbahnrand einer Märtyrer-Karriere gefährlich nahe.

Highlight in Ponferrada war das putzige trutzige Castillo Templario (innen mal wieder dicht) und leicht westlich die römischen Goldminen von Las Médulas mit UNESCO-Gütesiegel. Bester Blick von Orellan, wärend die Stollen im Dorf selbst wohl noch dicht waren. Offen dagegen der Schutzraum gegen zuviel Frischluft bei A Gudiña an der [A52], wo »El Jefe« persönlich die Hotelgarage für das seltene germanische Gefährt räumte. Weltzeit-Uhrbesitzer aufgemerkt: Wegen Westlage füllen sich hier ödemgefährdete Bikerbäuche erst ab 2100 Uhr im »Comidor«.

Bei Chaves (P) lohnte der Abstecher zum XXL-Kiesel Pedra Bulideira nicht wirklich und man(n) beginnt, die typische Dorfbeschilderung zu hassen. In den selbigen herrschte meist noch Kopf-Steinzeit mit Hippodrom und Jockeys mit Aversionen gegen motorisierte Zossen. Auffällig die zentralen Kornspeicher, als Pfahlbauten gegen nagende Plagen errichtet. Die felsigen Cornos das Alturas am Rabagão-Stausee waren den Umweg nicht wert, also endlos nach Braga gekurvt – leider ohne die alte Wolfsfalle bei Fafião im Regen zu suchen.

Genervt vom Wetter und dem aggressivem Fahrstil der Gastgeber mit Verkehrs†o†en-Rekorden wurde Porto rechts liegen gelassen und gleich die römischen Ruinen von Conimbriga angesteuert. Nach den antiken Puzzle-Bodenbelägen war sonnige (auch das noch ;-) Strandpause bei Nazaré angesagt. Den Blick vom Monte Sitio schätzte schon Vasco de Gama vor seinem Indien-Trip. Zu empfehlen: Eine Tagestour zuerst hö(h)llisch durch die Grutas de Mira de Aire (mit ›Glückauf‹ im Fahrstuhl), dann himmlisch weiter zur Santuário de Fátima.

Die Pilger-Rush Hour im Mai – 500.000 haben Platz aufm Platz – verhinderte das risikolose Parken. Alternativ wurde ins geleerte Batalha navigiert. Das multipel verzierte Mosteiro de Santa Maria da Vitória wurde erneut nicht umsonst UNESCO-prämiert. Weiter südlich lockte das herausgeputzte Óbidos mit seiner fulminanten Sarazenenburg, umgeben von elefantiösen Stadtmauern. Einige Busse kommen auch wg. der typisch-blauen »Azulejos« angeKachelt. Atypisch war dagegen meine tropisch feuchte Waldroute [N114] nach Santarém.

Pausentipp: Panorama auf Coruche von Igreja de Nossa Senhora do Castelo im schmucken Azul. Westlich vom Besucher-Magneten Évora ging’s dank der Staubpiste noch neolithisch einsam zu. Beim Cromeleque dos Almendres mit 92 Menhiren erigierte ein Solo-Hinkelstein auf vier Meter. Morbides Muss in der UNESCO-Stadt: Capella dos Ossos, wo laut Latein-Begrüßung 5.000(?) Gebeine in edler Fachwerk-Optik auf meine warten… Ohne jegliche Gefahr wurde der verwunschen dunkle Stadtpark besucht, sonst aber leider nix wg. Neo-Nieselregen.

Sonnig-südlich ging’s urlauberfrei vondannen, zuerst mit Kompasshilfe zur hitzigen Stauseejause bei Alvito, dann schwitzig bewusst an Beja vorbei. Den 60km-Abstecher zum Pulo do Lobo am Rio Guadiana hätte bei 40°C weder Wolf noch Großmutter geschafft. Am letzten Ende der Schotterpiste ergießt sich eine halbverdunstete Kaskade in den abgebildeten Algenpfuhl. Klimatisch nicht ganz so extrem dagegen die Kurverei vom malerischen Mértola mit Mauren-Mauern nach Alcoutim. Dort 1a-Aussicht vom Castelo übern Rio zum spanischen Sanlúcar.

Ab Vila Real wurde traditionell (E) angerudert. Huelva schreckt mit lieblicher Raffinerie und dem graziösem Steinklotz Monumento a Colón alias Columbus. Unerwartet kam der jährliche 4-Rad-4-Huf-Zug von Tausenden »gitanos« (besser keine Fotos der grimmigen Gesichter) – der Doñana-Nationalpark schlicht dicht! Neben Zeltplatz-Nepp war auch die Policía unerbittlich am ariden Weg zum rettenden Benzin. Endlich ›voll‹ ging’s dann römisch-ruinös nach Itálica bei Sevilla (vgl. 2011) und via Carmona mit stachelig umzäumter Necrópolis nach Córdoba.

Frühmorgens wurde clever bei der Puente Romano geparkt – ergo Besucher-Pole-Position zur grandiosen Mezquita. Die [N432] erklomm Mega-Ausblicke im Parque Natural Sierras Subbéticas, jedoch ohne jeden Einblick auf pelzige Flattertierchen in der Cueva del Cerro de las Murciélagos. Dicht – was sonst! Östlich der winter-gesperrten Sierra Nevada ging’s reizvoll zum Observatorium am Calar Alto (2.168 m). Danach runter bis zur film-bekannten Western-Wüste von Tabernas mit Steilrampe zum Castillo und via [AL102] zum Cabo de Gata.

Vom Zelt unter Palmen bei Las Negras führte eine Panorama-Strecke vorbei an Agaven und wüsten Badebuchten bis zur Überraschungsschranke mit Wanderer-Durchlass. Juristisch gesehen ›wanderte‹ meine tür-schlanke Transalp jetzt steil zum »Katzen-Kap« – dort mit Zusatz-Goliath-Stufe, die freundliche Zusatzhände erforderte. Die tiefblaue Idylle wurde auf einem 20km-hoffentlich-keine-Panne-Pfad zum Roldán-Leuchtturm final Richtung [A7] verlassen. Ganz ›natürlich‹ wurde noch das Ex-Fischerdorf Benidorm angepeilt – Bauwahn pur!

Die Feierabend-Abkürzung mitten durch València war nicht die beste Idee, aber nach nerviger Industrie-Herrlichkeit bis Sagunt wurde beim Estany-Strand das fast tropische Camping-Kleinod aufgespürt. Hinter Tarragona dann ein kurzer Kulturstopp beim römisch-klotzigen Arc de Berá, bevor von Westen her das (zu) bekannte Monestir de Montserrat angesteuert wurde. Beten hinter Beton der monströsen Parkdecks! Also Flucht in die Berge nördlich von Barcelona jaaanz weit zum ›offenen‹ Zeltplatz – zumindest bis zum Vorhängeschloss *grrr*.

Abendliche Erlösung war ein Bauernhof-Camp, bevor es durch suburbanes Chaos zur [A7] Richtung Perpignan (F) ging. Nach der Links-Abbiege hinter Béziers wurden die Cevennen gestreift – die sauber gefräste Vis-Flussschleife Cirque de Navacelles mit Panorama-Kante. Nach erneuter vorsaisonaler Zeltplatzsuche gab es sogleich ausreichend »pluie« von oben, also morgens ab in die Grotte des Demoiselles, inkl. Schrägaufzug und Tageslicht-Deckenfluter. Bei Sonne wurde dann der touristen-taugliche Bambouseraie bei Alès angesteuert.

Auf der [D6] orientalisch orientiert, wurde die schmucke Cascade du Sautadet in felsigen Rinnen bei la Roque-s-Cèze lokalisiert und sogleich der lokale Zeltplatz präferiert. Eine Vernunft-Entscheidung gegen die geplante zuLangstrecke zu den Vercour-Schluchten nahe Grenoble, die fürs nächste Jahr aufgeschoben wurden. Somit konnte ausgeschlafen die Rhône bei Pont-St. Esprit überquert werden – diesmal (vgl. 1997) leider auf der Neubaubrücke – um danach die Autoroute du Soleil bei namenkundlich korrektem, aber windigem Wetter abzufahren.

Die traditionell rituelle Entsorgung der Zeltunterfolie fand nach der letzten Nacht bei Hemsbach (D) nahe Mannheim statt. Insgesamt kamen 6.751 km zusammen, wobei eine Autozug-Rückfahrt vs. Zeit, Maut und Reifen auch nicht schlecht wäre. Wetter und Öffnungszeiten waren nicht immer auf meiner Seite, trotzdem war es eine erlebnisreiche Iberia-Rundtour, wobei Andalusien und die Cevennen in den 25 Tagen absichtlich nur angekratzt wurden. Fortsetzung folgt sicher…