Südafrika • Namibia • Botswana

Kapstadt – Swakopmund – Etoscha N.P. – Okavango Delta – Victoria Falls

Oktober 2002

Dienstag mittag, 29.10.02 ging’s los zur 6.000 km-Safari:
Nach einem Augenblick in London zum Umsteigen (na ja, 5h) hob der Jumbo ab zum Kap.
Strahlender Sonnenschein bei Ankunft in der »Mother City« Kapstadt (ZA) am nächsten Tag, selbst der Tafelberg heute mal ohne ›Handtuch‹. Nach Einchecken in der legeren Breakwater Lodge wurde sofort die herausgeputzte und bewachte Hafenmeile Waterfront erkundet. Wahrlich eine ›Top Location‹ am Wasser – die derben Duft ausdünstenden XXL-Robben an den Bootsanlegern wussten besonders zu begeistern.

Das auf der anderen Seite vom Touri-Zaun die Welt nicht so friedlich ist, bemerkte man bei der Taxifahrt mit verschlossenen Türen zum Tafelberg. Also sogleich den Höhepunkt auf dem Drahtseil angesteuert und nur gestaunt über die optischen Möglichkeiten von 1.087 m herab auf Atlantik und Indischen Ozean. Am nächsten Morgen machte sich unsere 20-köpfige LKW-Ladung aus (D), (IRL) und (NL) sowie Vashti und George von Which Way Adventures zum böigen Blouberg Beach auf, um die Straße zu schlagen (sagt man so).

Ohne Hupe frontal angeschlagen wurde dann auch in den Cederbergen ein Mietwagen, Goliath gegen David – glimpflicher Blechschaden. Nach einem herrlichen Kanu-Tag am echsenfreien Grenzfluss nach Namibia (NAM) mit der Windel-Gaudi »nappy run« in Schwimmwesten abwärts treibend, dann ein fulminanter Sonnenuntergang am Fish River Canyon. Der Schluchten-Vize-Weltmeister ist übrigens 90 km lang und 500 m tief.
 

Als nächstes standen Köcherbäume auf dem Programm, bis hin zu ganzen Ansammlungen bei Keetmanshoop mit deutscher Bebauung, inkl. »Kaiserliches Postamt«. Abends wurden dann die Ausläufer der Kalahari (›Großer Durst‹) erreicht und selbiger vorm Zelt gestillt. Ein kleines Paradies – sandreich, stromlos, klolos – mit echter Afrika-Atmo und unserem ersten »Game Drive«!
 


War schon spannend, im Geländewagen durch die dünenähnliche Landschaft zu fahren und an jeder Kuppe auf neue Spezies zu hoffen. Neben Straußen, Springböcken (da noch etwas besonderes) und Zebras gefielen besonders die Oryxantilopen mit ihrem Schaschlik-geeigneten Kopfschmuck.
 

Speziell für die Ethno-Freunde kam ein Buschmann aufs Parkett und bei einem Gang durch die Gegend wurden diverse »Drops« – unter uns Weidmännern Losung – unter die Lupe genommen. Sein Name war übrigens »Bad Luck«, was nicht unbedingt mit der Tagesform bei der Pfeil-und-Bogen-Demo zu tun haben musste. Alles in allem sehr interessant, auch wg. der oft beschriebenen Verbalakrobatik, den sogenannten Klicklauten.
 

Und wieder nahmen wir im knallgelben Truck Platz, um unter Leitung vom nimmermüden George (Respekt bei der Hitze) den kleinen, aber feinen Sesriem Canyon am Ostrand der Namibwüste zu erreichen. Der vorgefundene Sandsturm mit Peeling-Wirkung bahnte sich offensichtlich auch den Weg in die wohlbehüteten photographischen Apparate. Das mitgebrachte Thermometer war in der Mittagssonne am Anschlag bei ca. 60 Grad! Halb in der Nacht machten wir uns 64 km zum Sossusvlei auf, um die »Düne 45« zu erklimmen.

Selbst Luis Trenker hätte bei der extrem trockenden Luft so seine Probleme gehabt beim Gipfelsturm auf den ca. 200 m hohen Sandhaufen. Aber der Sonnenaufgang und besonders die Weite des Terrains waren traumhaft und der Direttissima-Abstieg endete lustig mit sandigen Socken. Wohl dem, der keine Kleinteile am Steilhang gelassen hat. Nach kurzer Schlaglochfahrt auf einem Pickup dann noch die Besichtigung des Endzeit-Deadvlei, in dem Eidechsen die Hitze nur abwechselnd auf zwei Beinen aushalten.

Nach einer gut 100 km langen Wüstenquerung wurde die maritime Kühle von Walvis Bay erreicht, um etwas nördlich eine Herberge in Swakopmund anzusteuern. Dort lockten Restaurants und verschiedene Fun-Sportarten neben der nicht gerade rheuma-freundlichen Meeresluft, die manchmal zu Nebel wird. Swakopmund ist wohl die ›deutscheste‹ Stadt in Namibia mit entsprechenden Geschäften und Schildern, sowie der schon legendären Schwarzwälder Kirschtorte im Café Anton.

Für eine extra Handvoll Dollar, aber günstiger als in heimischen Gefilden kam vor Morgengrauen das Abholkommando mit zusammengefaltetem Ballon. Nach einigen Versuchen mit Luftballons, die Richtung Meer abdrifteten, bildeten sich beim sympathischen Ballonfahrer und uns potentiellen Einsteigern erste Sorgenfalten, da sich der Sonnenaufgang partout nicht verschieben lassen wollte. Aber – safety first – gab es etwas abseits einen Bilderbuchstart mit 360‑Grad-Panorama. Top! War übrigens wirklich heiss im selbigen Ballon.


Der nächste Tag führte zum Cape Cross, dem Lieblingsplatz von ca. 100.000 Zwergpelzrobben, was sich recht niedlich anhöhrt. Zimperlich sollte man besser nicht sein, denn die schweren Bullen nehmen bei ständigen Revierkämpfen so einiges unter den massigen Bauch, was sich später die Schakale holen. Leben und Tod lagen deutlich riechbar nebeneinander.
 

Weiter Richtung Norden ging’s durch ein schmuckes Totenkopfgatter zur Skelett-Küste am kalten Beguela-Strom. Der resultierende Nebel hat so manchen Navigator im Matrosenanzug dahingerafft. Wüstensand und Salzwasser taugen eben nicht sonderlich als Drink-Ingredienzen. Ein Wrack lag fotogen am Strand. In der Trockenzone zu bestaunen war die bis zu 2.000 Jahre alte Welwitschia-Pflanze – sah aus wie ein geplatztes »Alien«-Ei und nutzt den Nebel zur Verpflegung.

Nach sovielen staubigen Genüssen wurde es Zeit für animalische Begegnungen: Zuerst im malerischen Palmwag mit den ersten Giraffen und dann in der Etoscha-Salzpfanne, deren Randzone zahlreiche Exemplare bereithielt. Dies war auch anderen Touris aufgefallen, deshalb waren die Camps gut besucht und ausgestattet. Das hauseigene Wasserloch lockte auf jeden Fall – und besonders in der Trockenzeit – allerlei durstige Gesellen an, wobei sich Jäger und Beute recht clever zeitversetzt näherten.


Zum Highlight des Okaukuejo-Camps gehörte die Illumination der Tränke und schon waren auch Nach(t)durst-Kandidaten sichtbar, wobei Nashörner um einiges kleiner wirkten als Elefanten. Etwas schwierig gestaltete sich das Bannen der dunklen Kneipenszenen auf Diafilm, denn hier wurde nur für kurze Zeit bewegungslos geschlürft.
 


Auf den täglichen Pirschfahrten gab’s immer etwas kurz- oder langbeiniges zu bestaunen, wie z.B. Löwen Löwe am Wasserloch oder einmal in der Ferne ein Nashorn. Bei dieser Tierkonzentration pro Quadratmeter gab’s für Springböcke bald nur noch ein müdes Lächeln. Nach Regenfällen allerdings lohnt sich die Sache für Wasserloch-Paparazzi weniger.
 

Letzte Station war das imposante Waterberg-Plateau mit Aktiv-Anstieg und Weitblick, bevor es via einem netten Markt für Holzschnitzereien zurück in die moderne Hauptstadt Windhoek ging, um ein paar der bisher bestaunten Spezies auf dem Teller zu vergleichen ;-) Mit der kleinen Gemeinschaft der Botswana [dt. Botsuana]-Mitnehmer ging es Richtung Grenze (RB). Das Land wirkte ursprünglicher, aber auch ärmer. Kleine Geschenke – bitte mit Bedacht – hoben daher überall die Stimmung.

Nach einem Open-Air-Schlaf auf einer Liege bei Ghanzi wartete Maun, das Tor zum Okavango Delta auf uns. Selbiges wurde nachmittags in herrlichen Neigungen aus einem Kleinflugzeug besichtigt - aus der Luft wenig Wasserarme zu sehen, aber schon jede Menge Büffel und anderes Getier. Nach einer kurzen Offroad-Einlage am nächsten Morgen wurde am erstaunlich vollen Einbaum-Einstieg immer zu zweit plus Zelt und Zubehör ein »Mokoro« geentert und bei sengender Sonne zum Übernachtungsplatz gegondelt.

Die Okavango-Pirsch war per pedes um einiges spannender, besonders beeindruckten die wütenden Flusspferde Kein Happy Hippo!, die auf Abstand zum Heimat-Tümpel beharrten. Wohl mit die beste ›Site‹ der gesamten Tour, weil ohne Blechdistanz. Vorletzter Reisepunkt war der bekannte Chobe Fluss mit seiner famosen Fauna, als da wären: Elefanten und Hippos in exorbitanter Stückzahl, sowie vereinzelte Panzerechsen. Geniale Bootstour mit Sundown(er) an Deck – besser als an Land, wo es schon mal zum Landrover-Stau kam.

Mit der Fähre ging’s dann hurtig weiter nach Livingston in Sambia (Z) (der geplante Nachbarstaat Simbabwe war aktuell politisch nicht so einladend). Keine schlechte Wahl, z.B. der Swimmingpool im nett angelegten Camp. Die berühmten Victoria Falls liefen im November allerdings mit Spartaste, die abgebildete rechte Seite ist sonst wohl komplett tosend. Vorsicht vor einigen Gestalten dort, nicht unbedingt allein die Fälle besuchen!

Morgens noch rasch die Grenzformalitäten an der Hochbrücke nach Simbabwe (ZW) erledigt und die letzte Chance für Andenken im gleichnamigen Ort Victoria Falls genutzt. Es ging hier aber schon spürbar touristischer ab, bevor uns ein Inlandsflug nach »Joburg« brachte. Nach einer weiteren Wartepause dann der Abschied via London und nach fast vier Wochen ein kühler Empfang in (D).