Malaysia (Borneo)

Kuching – Miri – Mulu – Kota Kinabalu – Sandakan – Kuala Lumpur

Mai 2003

Freitag, 09.05.03 ging’s ab Frankfurt zu meinem ersten Asien-Trip nach Malaysia (MAL).
Die Boeing 747 je nach Betrachtungsweise halbvoll bzw. halbleer – S.A.R.S. war gerade ›in aller Munde‹, daher maskierten sich einige als OP-Schwestern. Am hypermodernen Flughafen von Kuala Lumpur (kurz KL) wurde die hypermoderne Magnetbahn ausprobiert und unsere 5er-Gruppe mit einem netten Trio aus Köln und Marcus von Djoser komplettiert, um dann schnurstracks nach Kuching auf Borneo weiterzudüsen.

Die ›Katzenstadt‹ Kuching – Hauptstadt des Teilstaates Sarawak – malerisch am selbigen Fluss gelegen, hatte so einige Stubentiger-Monumente zu bieten. Neben deliziösem »Seafood« zum Selbermischen lockte in der Nähe der Flussmündung der Bako Nationalpark, nur per Boot zu erreichen. Plankenwege und hübsch angelegte, einfache Pfahlbauten mit Mosquitonetzen boten abgeschiedene Dschungel-Atmosphäre. Noch dazu lockte die Kantine abends ein paar bizarre Borneo-Bart-Schweine (die sehen auch so aus) im XXL-Format an.

Sportive Treks durch Mangroven führten zu grandiosen Buchten, z.B. Telok Paku und Telok Pandan Kecil. Letztere mit Bootsanfahrt vorbei an Postkartenfelsen im lauwarmen südchinesischen Meer. Die Mündungen beherbergten Schlammspringer, aber nichts mit Zähnen, Stacheln oder sonstigem aggressiven Zubehör. Oder doch? Der steile Rückweg über Panorama-Klippen und vorbei an fleischfressenden Kannenpflanzen gehörte zum Feinsten. Abends gab’s in der Umgebung diebische Makaken Müder Makak und Nasenaffen zu bestaunen.


Nach einer regenreichen Nachtbesichtigung von fluoreszierenden Pilzen und »Fireflies«, nebst giftiger, giftgrüner Viper, dann Ortswechsel: Kurze Fahrt im Langboot zum Langhaus (Achtung Wortwitz!) am Lemanak-Fluss. Dort lebte ein komplettes Dorf vom Stamm der Iban in Reihenhaus-Idylle, an den Senioren konnte sich jedes Tattoo-Studio eine Scheibe abschneiden.
 

Apropos ›abschneiden‹, bis vor 100 Jahren bestand ein beliebtes Hobby aus dem Trennen von Kopf und Leib von Nichtfreunden. Auf freundliche Nachfrage beim »Tuan Rumah« (= Chef) zeigte dieser auf hübsche Beweisstücke – in Netzen unter der Decke auch für hippe Innenarchitekten interessant. In Besuchszeiten vollzog sich abends auf dem Gemeinschaftsflur eine befremdliche Nummernrevue aus Folkloretanz, multipler »tuak«(Reiswein)-Verkostung *uuuuuhaaa*, Mitbringsel-Verteilung und Souvenir-Messe.

Unter fachkundiger Iban-Führung ging’s dann in den Urwald, vorbei an einem uralten Friedhof und zu zwei Demo-Fallen aus Zweigen und Schlingen, für den kleinen und den grossen Hunger. Interessant waren auch die roten(!) Wildananas. Absolut gourmettauglich wurde auf einem Flussinselchen Huhn und Gemüse in einer Art Bambus-Orgel geköchelt, selbst die Becher wurden gekonnt aus Bambus gewerkelt. Neben Plantagen u.a. mit Pfefferanbau gab es überall im Wald irgendwelche Natur-Snacks zu probieren.

Lautlose Gesellen mit Hang zu unseren Dollarnoten erleichterten nicht nur den Abschied Richtung Sibu mit seiner wahrlich herausragenden chinesischen Pagode und dem köstlichen Nachtmarkt. Tags darauf wurde der maritime Similajau Nationalpark angesteuert. Unsere Pirsch auf Salzwasser-Krokos mit Taschenlampen war tidenabhängig leider erfolglos – die Geckos hatten da mehr Jagdglück. Nach dieser Strandpause stand mit der Niah Cave die erste kolossale Höhle auf dem Programm.

An 70 m hohen Stangen holten hier wagemutige Vogelnestsammler die Zutaten für die kostbare Schwalbennestsuppe ›beim Chinesen‹. Nach einer Nacht in Miri zirkelte ein freundlicher Pilot den 19-Sitzer beinahe millimetergenau um die Berge von Mulu, um einen Blick auf die Pinnacles zu erhaschen, schwerst zugängliche 50-Meter-Erosionsnadeln. Der Mulu Nationalpark war mit das Beste im reichhaltigen Angebot von Borneo.
 

Eine besondere Flugschau bot allabendlich die Deer Cave, mit über zwei Kilometern die längste Höhlenpassage der Welt. Die Herberge von ca. 2.500.000 Fledermäusen sollte aber nur wirklich würgereizfest und mit exkrement-resistenten Bergschuhen betreten werden. Klaustrophobiker nehmen besser eine Lampe für die ›Vampir-Babies‹ inmitten von güldenen Asseln mit. Dieser Anblick war nur noch durch den schubweisen tausendfachen Ausflug der Flattermänner in rauschenden Spiralformationen zu toppen.

Des weiteren wurden im Höhlen-Paradies noch die Clearwater Cave und die Wind Cave angegangen, bevor es zuerst mit kleinem, dann mit grossem Fluggerät in den Teilstaat Sabah nach Kota Kinabalu ging. Nach einem opulenten Mahl (die Frösche hatten nochmal Glück) stand jetzt etwas Kraxelei auf dem Programm. Nicht zu vergessen die Besichtigung einer seltenen »Rafflesia« in voller Blüte – zu bäuerlichen Wucherpreisen! Dieses Exemplar war mit einem halben Meter Durchmesser vergleichsweise klein.

Im angenehmen Hochlandklima nach einem Badezuber-Intermezzo in den Poring Hot Springs dann das Highlight schlechthin, der Berg Gunung Kinabalu. Nach allerlei Formalitäten ging’s mit dem obligaten Vorwanderer über schlappe sechs Kilometer zum Laban Rata Resthouse auf kalten 3.273 Metern. Nach einer höhenbedingten, üblen Kopfschmerzpause dann um 3 Uhr morgens der beliebte Gipfelsturm an steilen (Orientierungs-)seilen auf den nicht unbedingt niedrigen »Low's Peak« (4.095 m). 544 Uhr – Sonnenaufgang – geschafft!

Dummerweise brauchte ›Opa Gummiknie‹ eine Krücke für den Rückzug. Egal – gazellenartig wurde als nächstes der Kinabatangan River mit garantierten Nasenaffen und ein paar ordentlichen Baumschlangen Schlafende Schlange angedümpelt. Nach ausgedehnter Holperei Richtung Sandakan noch der beliebte Zwischenstopp im Reha-Zentrum von Sepilok. Orang = Mensch, Utan = Wald – na, wird Licht? Leider wird immer mehr Urwald in Sabah für Ölpalmen geopfert.
 

Nach dem Rückflug – erneut über Kota Kinabalu mit Schnorchel-Tour und Besuch eines »Water Village« – dann in Kuala Lumpur Abschied von unserem Team und ab ins Einzelzimmer im wuseligen Zentrum von Chinatown. Am nächsten Morgen zuerst zu den Petronas Twin Towers, schlappe 452 m hoch und mit nettem Glasbrückchen »Skybridge« im 41. Stock. Irgendwie musste in Malaysia alles höher, grösser und weiter sein. Nach der Anmeldeprozedur dann das ersehnte Panorama im vorgegebenen Zeitfenster, übrigens gratis.

Hurtig die gesparten Münzen zum Taxi getragen und auf zum KL Bird Park – wem wundert's, der weltgrösste überdachte Vogelpark. Gute Gelegenheit die im Urwald hörbaren Nashornvögel auch mal zu sehen. Der Rückweg in die Mega-City via Schmetterlingspark war per pedes locker zu schaffen. Mit etwas Mut die Schuhe ausgezogen und als einziger Touri wenigstens einen Blick auf die – mal wieder – hypermoderne National-Moschee geworfen. Richtig schön historisch wirkte dagegen das Sultan Abdul Samad Building von 1897.

Überhaupt wirkte das Gemisch von Menschen und Religionen in KL sehr friedlich, wie das Gegenüber von Hindu- und Chinesischen Tempel in Chinatown zeigt. Ohne Schuhe bzw. mit gebotener Zurückhaltung zwei echte Hingucker. Fast schon eine klimatische Grenzerfahrung war der ›Besuch‹ des Busbahnhofs – allein in einer Mega-Moslem-Menge über 24 leerlaufenden Busmotoren im Erdgeschoss.
 

Auch die moderne Metro zeigte Malaysia's Umbruch zur Industrienation – für das alte Chinatown wird es inmitten von Wolkenkratzern langsam eng. So richtig echt war der Markt aus Essbuden und Ramsch-Uhren auch nicht mehr, aber massiv illuminiert. Alternativ sehenswert fand ich den ›indischen‹ Nachtmarkt, zumindest das kulinarische Angebot überzeugte. Soll angeblich Taschendiebe geben, lohnte sich wohl bei einem Fremden pro Viertel nicht.
 

Am zweiten Tag wurden noch kurz die schicken »Shopping Complexes« wie KL Plaza und Lot 10 im Osten getestet. Schön, schön teuer und schön leer. Zwischen der gelangweilten Konsum-Welt hielten sich aber immer noch traditionelle Garküchen mit günstiger, meist huhn-basierender Nahrung. Kostenloser Geheimtipp: Um den Überblick zu behalten, sollte man im Maybank-Gebäude bis aufs Dach kommen, leider nur zur Geschäftszeit. Daher wählte ich als letzten Höhepunkt den KL-Tower »Menara« (421 m).

Nur hatte ich den Anstieg zum Sockel zeitlich etwas unterschätzt. Also nach dem glasigen Rundumblick hurtig mit Taxi-Hilfe durch die Rush-Hour zum Rucksack-Fassen ins Hotel nach Chinatown. Dann im Stechschritt durch die Ameisenkolonie zur Metro nach KL Sentral. Die letzte Etappe führte im HighTech-Zug zum »KLIA«, so nennen die Einwohner mit ausgeprägtem Hang zu Abkürzungen ihren Flughafen. Auf dem langen Weg nach Frankfurt (D) gab es wieder Sonderlob für die würzfreudigen Flugzeugköche – bei Lufthansa & Co. undenkbar.