Norwegen Süd

Oslo – Telemark – Lysefjord – Folgefonn – Sognefjord – Rondane

Juni 2005

bu = Alm
botn = (Fjord)ende
breen = Gletscher
dal(en) = Tal
døla = Talfluss
fjell = Berg(land)

Color Line »Kronprins Harald« Norwegische Postflagge – hin und zurück zum Piraterie-Preis von € 332,–
Samstag 04.06. ab Kiel 1400 - an Oslo 930 (N) im *huch* ›Herrenbett‹.

Unvermutet unvermautet ging’s unverzüglich auf der [E18] Richtung Drammen von dannen. Unwesentlich weiter westlich wartete Kongsberg(-werk), trotz Minengürtel ohne echten Silberstreif am verwässerten Horizont.

fonn = Firn
fossen = Wasserfall
skaret = Pass
topp = Gipfel
vatn(et) = See
vidda = Hochfläche

Nach einer (strom)schnellen Trockenpause mit entsprechendem Müsli-Riegel in Notodden lockte die Stabkirche von Heddal an der Heddøla im Heddal. So einfach war die geographische Orthographie. Hinter dem himmlischen Holzstapel tüdelte ich nach Tuddal im Tuddalsdalen (einfach, gelle) und auf zum Gausta (1.883 m) – kaum zu toppen und wie aus einer Backform telegen in der Telemark gelegen. Der GipfelSturm wurde leider auf Eis gelegt und das Nachtlager bei Rjukan tiefer gelegt. Bezahlt mit ec-Kronen der Schöpfung aus einer »Minibank«.

Abgrundtief spannende Spreng-Sabotage gegen Adolfs A-Bomben-Ambitionen (›Schweres Wasser‹ kurz D2O) zeigte das Norsk Hydro-Kraftwerk »Norsk Hydro«-Turbine in Vemork. Über Austbø, Ofte und Eidstod im Zickzack zuerst zum Zelt am Fyresvatn-Südufer mit sonniger »Øynuten Rundt« zu apsis-ähnlichen Trollhöhlen (ohne Trolle) und »Bever Hytta« (ohne OBI-Nager). Dann zurück zur Panorama-Klippe vor Dalen und gleich zwei Fälle von Fjellvegen: [45] bis Rotemo mit wässrigem Fall und über den Suleskar-Pass (1.050 m) mit Steinmann-Defilee zum Lysefjord.

Am »Adlerhorst« wurden der Kjeragbolten-Besuchsplan vom Winde verweht, aber viele schätzten den Sturzflug über 27 sagenhafte Serpentinen plus Kehre im Lysetunnel nach Lysebotn, wo die Nachtwache unchristlich nach sieben Glasen endete. Wieselflink vom »Hurtigbåter« Katamaran »Hurtigbåter« in Sognesand angelandet und von einer sakralen Silikon-Schönheit Kirchendecke in Årdal in der Stabkirche von Årdal angelockt, wurde zu samt und sonders fairen Fährpreisen Sand und Sauda erreicht. Liebhaber von verschneiten Schneisen fanden auf der [520] alias Røldalsvegen (1.422 m) Fräskunst vom Feinsten mit acht Meter Schnee. Obacht Wächtenwächter: Ab und an krachte es kristalin an der Kante, aber selten wurde Gegenverkehr gesehen.

Wer keinen eisigen Nebel mochte, fühlte sich im Regen rund um Røldal auch nicht wohl. Die frostig-frustige Røldalsfossen-Sondersuche [E134]-stromaufwärts ohne Zusatznutzen vor einer regen- und segensreichen Zeltnacht – gleich nebenan stand eine Stabkirche mit göttlichem Geheimgang. Trotz Tunnelblick nach Norden gab es die Morgendusche schon vor dem Låtefossen, doppelt besetzt und dreifach besucht. Nach koffeinhaltiger Regenrast in Odda danach 11 km Trockenübung touristenfrei durch den Folgefonntunnel in den goldenen Westen.

Weder gülden-sonnig noch gesund war's in Sundal. Nach Hoffen und Warten unter der Cam­ping-Kinderrutsche (›das klart gleich auf‹) wurden im Hotel nebenan gegen gutes Geld gute Heizungen gegen klamme Klamotten eingesetzt. Fast allein Ziege im Bondhusdalen führte der Folgefonn-Folgetag im Bondhusdalen über Bondhusvatnet (wieder mal einfach) zum züngelnden Bondhusbreen: Drei Stunden Matschmarsch, dann kultiviert nach Rosendal. Ironie in der Baronie: Statt Rosen regnete es richtig auf den Goretex-Harnisch, daher freiherrlich weiter per Fjordfähre zur [49].

Freeclimber fanden feine Felszeichnungen am Parkplatz Salthamaren. Der Jause mit steinigen Jagdszenen folgte bei Norheimsund stante pede Steindalsfossen (überlaufen und unterwandert) plus ›Goldfischsee‹ Skårsvatnet (vollgelaufen) mit dem ›gelben Aland‹ ohne Angst vor Angler-Attacken. Auf dem reichlich langen Abendtreck auf der [13] war wieder Wasser fällig: Skjervefossen vor Voss und Tvinvefossen nach Voss, direkt vorm Zelt in Randlage des randvollen Campus. Nach finsterem Frost dann frühreifer Startschuss zum Samstag-Shopping.

Ergo wurden Lebensmittel-Lücken und Aluboxen an der nächsten Ecke geschlossen und bei Brekke eine »bomveg«-Schranke spontan gegen Montanmaut geöffnet. Schotter. Schnee. Sackgasse. Stiefel. Sonnenbrille. 100% UV-Schutz. ›Nur‹ 20% neigten sich 13 kurvigen Haarnadeln des alten Stalheimskleivi hinab in die Stalheimskleiva, d.h. 380 schluchtige Me­ter runter ins Nærøydalen. Als nässende Zugaben tosten Sivlefossen (240 m) und Stalheimfossen (126 m) ins Tal. Im Sommer rollen hier wohl auch reichlich Reisebusse Richtung Nærøyfjord.

Vorsaisonal singuläre Freunde der KuK-Zeit (Kaffee und Kuchen) bekamen bei Kaiserwetter in Gudvangen sonnige Wangen und tauschten später die Sitzplanken gegen Bootsplanken inmitten seefester Sushi-Sympatisanten mit Sehschlitzen. Mit simultanen Linsen-Lächeln versuchten selbige sich als Mövenbändiger und ließen die liebliche Landschaft links (terminus technicus ›backbord‹) liegen. Nach der West-Ost-Passage des Sognefjord (satte 1.380 m tief) Löschen der lustigen Lebendladung in Kaupanger und klamme Klabauter-Kälte bis Lærdal.

Europa rückte zusammen, aber so dicht wie im Geometrie-Getto an der Holland-Hauptroute [5]? Tropfnasser Trödeltag, Weiterfahrt heute sinnlos. Frühstart mit Spiegel-Reflexionen Spiegel-Reflexkamera inmitten 10 Meter hohem »Snø« auf dem Aurlandsvegen (1.306 m). Sonnige Stille, lawinöse Lasten und Rentiere hatten sich rentiert. Zurück kamen Klaustrophobiker im Lærdalstunnel (24,5 km!) zwischen drei Lichtdomen kostenlos auf ihre Kosten. Wetter wieder wässriger, also besser als Exot mit Zelt Exodus vom Campus und auf durch den ›kleinen‹ Fodnestunnel.

Hinfort am Årdalsfjord entlang, lockte hinter hässlicher Industrie der familien- und senioren-feindliche Auf- und Abstieg zum Vettisfossen (275m). Natur pur mit Nässe von allen Seiten Vettisfossen-Kapuze. Banger Biker-Blick nach oben: Hoffentlich kein neuer Schnee auf dem Tindevegen (1.350 m) Richtung Sognefjell. Orkaneske Grenz-Erfahrungen führten zum Schlummern kurz vor(!) Skjolden, windgeschützt und mit eigenem Wasserfall. Sakrale Sehnsüchte wurden weit am Lustrafjord gestillt – die Stabkirche Stabkirche von Urnes von Urnes, UrNESCO-zertifiziert und verziert.

Interessant war auch die rundtour-kompatible Trajekt-Traverse mit Kontinuation ins Jostedalen am Jostedalsbreen (ich wiederhole mich ungern). Etwas ›exklusiver‹ zog ich nach Bergset ab und den warmen Wanderwams an. Rein optisch nur ein Zungenschlag zum Bergsetbreen. Aber neben all den üblichen Schikanen wie Morast mussten hier auch Schneeschichten geschickt überstiefelt werden. Also Vorsicht vor schlüpfrigen Schicksalsschlägen! Mit langsam verHagelter Miene ging’s via Gaupne (ec-Automat defekt, Bank stur) zurück zum Zelt.

Neuer Tag, neues Glück. Mit mehr Benzin als Bargeld auf zum sagenhaften Sognefjellsvegen (1.434 m)! Sagenhafter Regen und schemenhafte Langlauf-Profis im Schneegestöber. Jotunheimen janz im Nebel bis runter nach Elvesæter zur 33-Meter-Säule Sagasøyla – sagenhaft leer. Frostiger Frust wurde am Knotenpunkt Lom dank frischer Münzen mit einem Heißgetränk gedämpft und bekämpft. Geht doch: sonniger Start ab Café auf der [15] mit Stromschnellen-Stopp am reichlich um- und verbauten Dønfossen. Da waren aber noch diese Schilder…

Bilderbuchwetter im Breiddalen bis 62° Nord – Ende im Gelände, sofern man kein Lawinenhund ist. Nach längerer Landkarten-Lektüre lenkte ich ›Zurück auf Lom‹ und vorwärts ins wårme Vågå. Plan B war eine Rondane-Runde, erst 30 km »bomveg« »bomveg« nach Bøsætre, bøig nach Bøsætre und Dombås, dann windschief ins Folldalen. Die Toteislöcher-Tour ab Dørålsætre wurde auf Schotter im Sturm gestoppt und der Leidens(um)weg Rondevegen (1.060 m) glazial nach Otta verlängert. Wieder wårm wurde Vågå Richtung Lemonsjø (vgl. März) auf der [51] verlassen.

Einen Katzensprung entfernt wartete die Sjoa-Klamm Ridderspranget auf Besucher mit Regenrüstung, bevor der hartgesottene Hasardeur bei wechselhaften Rentieren ›objektiv‹ nass wurde. Rottenführer Rudolf (lt. Zooordnung Paarhufer, Wiederkäuer und Stirnwaffenträger) machte sich aber devot-domestiziert davon. Klimatisch gesehen wäre der ersehnte klassische Überseen-Pfad zum ›Sensengrat‹ Besseggen ein Fall für den Sensenmann. Leicht schneeblind zu übersehen: Kaffeestube mit Heizung gegen Harsch an Hand- und Schuhen. Die Abfahrt nach Bygdin bot neben seeHenswerten Eisschollen noch einen ›Eisbrecher‹ im Trocken- bzw. besser Matschdock vor dem sommerlichen Stapellauf.

Die letzte Hürde Båtskaret (1.160 m) mit letzter Krad-Kraft genommen, wurde es im sonnigen(!) Süden wieder warm ums Herz. Die Stereo-Stabkirchen lohnten nicht (irgendwann reicht's auch), dann doch lieber liebliche Wiesen mit güldener Blumenzier. Inmitten etlicher Autos wurde die [E16] bei Bjørgo ins Etnedalen verlassen. Rund ums Zelt lockten die Steinbrücke Lundebrue über dem Lundefossen sowie ufernahe, steinalte Fels-Elche Felszeichnung, Etnedalen. Mit neuer Wegzehrung aus Dokka zog sich der Weg zäh am Rand vom Randsfjord entlang. Steinige Kulturbildung gab’s gratis auf Bilden bei Brandbu - »Stonehenge« für Arme. Extrem xpensiv war dagegen der Zeltgrund am Holmenkollen über Oslo.

Unbedingt die schaurig steile Sprungschanze Schanze am Holmenkollen besuchen! Morgens um 800 Uhr waren die 650 nackerten Vigeland-Figuren im Frogner-Park noch ohne Spanner. Als weitere Wartezone ideal: Der maritim museale Overkill auf der Halbinsel Bygdøy, z.B. das Fram-Museum Fram-Museum in Oslo mit seinem Polarfuchs Roald Amundsen.
Zurück ab Oslo 1400 - an Kiel 930 (D) im Schlafsessel (besser auf dem Teppich!).
Σ 2.689 km – ganz schön kalt und grau in NorRegen, aber ich gebe nicht auf…